#104 – Was man von der Bahn lernen kann

„Wenn Manager von Optimierung sprechen, bedeutet dies, es wird schlechter, aber mit weniger Personal !“

Unternehmen sind wie Menschen. Wenn Sie das Ziel, ihre Aufgabe und ihr warum aus den Augen verlieren, sind sie nur noch eine Fahne im Wind. Die Bahn ist eine Organisation ,die transportiert Menschen und Güter von A nach B. Das kann man schnell, preiswert oder komfortabel machen. Oder alles gemeinsam was eine große Herausforderung ist.

Wenn man die Frage stellt, warum gibt’s die Bahn, dann ist die Antwort, um Menschen und Güter schnell,preiswert und komfortabel von A nach B zu bringen.

Wie man das tut und was man tut ist sekundär. Ob man mit Dampf, Diesel oder Strom transportiert interessiert nicht,, mit Schienen oder ohne Schienen beantwortet auch nur die Frage wie man etwas tut.

Menschen wollen von A nach B. Ob dies auf Schienen geschieht, ist alsouninteressant. Die Schienen haben sich hierbei als praktisch erwiesen um große Mengen an Menschen zu transportieren. Niemand darf das warum aus den Augen verlieren. Mit diesem warum hat die Bahn nach dem Weltkrieg beim Wiederaufbau dieses Landes einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Als unser Staat immer mehr Schulden machte und nach neuen Einnahmen suchte, haben schlaue Lobbyisten den Politikern eingeredet, dass eine Bahn nur als Privatbetrieb funktioniert kann. Also wurde alles unternommen, die Bahn an die Börse zu bringen.

Manager eingestellt die zwar die Bahn nicht kannten, aber Kosten reduzieren konnten. Kosteneffizienz und Rentabilität mussten gesteigert werden. Das schafft man am besten, indem man weniger für Menschen, Service und Instandhaltung ausgibt. Dinge erst dann erneuert, wenn sie so richtig kaputt sind. Im ganzen Unternehmen wurde der Fokus darauf gelegt. Wohin ich als Mensch schaue, da fahre ich auch hin. Das lernt man beim Fahrsicherheitstraining. Ein Unternehmen ist genau so. Damit verliert man aber den Fokus auf das warum man etwas tut. Zur Wiederholung: um Menschen und Güter schnell preiswert und komfortabel von A nach B zu bringen.

Immer häufiger kam die Bahn in die Schlagzeilen. Nicht mit außergewöhnlichen Transportleistungen, sondern mit Zügen die nicht funktionieren, Klimaanlagen die nicht funktionieren, Probleme mit dem Wetter. (In meiner Jugend war der Werbespruch die Bahn fährt bei jedem Wetter Realität)

Seltsamerweise wurde die Bahn eine zeitlang von Jahr zu Jahr tatsächlich rentabler. Also immer mehr Gewinn, mit immer schlechterer Erfüllung der warum Frage. Das kann man nur durch die Art wie man handelt erreichen. Also weniger bezahlen, entlassen, sparen.

Kein Unternehmen ist jemals durch Sparen an die Spitze gekommen ! Sparen ist wie Nachhilfe. Das bringt ein Unternehmen von der Note 5 auf 4 aber nicht von 2 auf 1!

Das Image der Bahn wurde ruiniert. Das bleibt bei den Menschen nicht ohne Auswirkungen. Es ist einfach nicht „cool“ mit der Bahn zu fahren.

Alle Manager der Bahn versuchen weiterhin Kosten zu sparen. Die Manager die jetzt da sind können nichts anderes und die, die wussten warum es die Bahn gab, sind alle in Vorruhestand oder entlassen.

Anfang 2013 wurde der Fernbusverkehr in Deutschland liberalisiert.

Die Fernbusse haben ein klares warum: sie transportieren Menschen und ein paar Güter preiswert, schnell und komfortabel von A nach B.

Vielleicht ist es nicht ganz so komfortabel, aber dafür eben wesentlich preiswerter als die Bahn. Wir Menschen relativieren hier. Bringt mich jemand für 10€ nach Nürnberg, habe ich weniger Ansprüche als wenn er 50€ dafür verlangt. In den Bussen ist WLAN umsonst und man bucht sie bequem über APP oder Internet. Das ist cool.

Vor wenigen Wochen haben die Manager der Bahn, wir erinnern uns, die „Effiziensteigerer“, erkannt, dass der Fernbus eine ernste Konkurrenz ist.

Am Wochenende streikten die Lokführer wieder. Tolle negative Schlagzeilen für die Bahn. Das interne Vertrauen eines Unternehmens leidet beim Verlust des warums. Die Angst, den Arbeitsplatz bei der nächsten Optimierung zu verlieren führt dazu, dass Mitarbeiter nur noch das tun, was sie tun müssen. Möglichst ohne Fehler, damit man nicht entlassen wird. Wer nichts macht und nichts entscheidet, macht die wenigsten Fehler.

So kommt die Bahn aus dieser Nummer nicht mehr raus. Das Ende vom Lied ist ein langsames qualvolles Sterben. Oder wir alle Zahlen am Ende dieses Missmanagement durch unsere Steuern.

Die Bahn ist hier nur das beste Beispiel, es gibt auch DAX Unternehmen, da läuft es so ähnlich.

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung!

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