#105 – Kommunikation oder Konzentration ?

„Multitasking ist keine Kunst, sondern die Unfähigkeit, sich zu organisieren.“  (Martin Geiger)

Piep, eine neue Mail ist gerade reingekommen. Ein anderer Ton signalisiert eine neue Nachricht. Auf dem Bildschirm erscheint ein Pop-Up Fenster von Outlook, wieder eine neue Mail.

Wir unterbrechen unsere Aufgabe und lesen die Mail. Ist ja schnell erledigt. Danach konzentrieren wir uns wieder auf unsere Aufgabe. Was war noch mal unsere Aufgabe?

Da haben wir das Problem. Nach einer Studie der University of California brauchen wir nach einer Unterbrechung ca. 20 Minuten um uns wieder auf eine Aufgabe zu fokussieren. Mathematisch bedeutet dies, dass wir bei 3 Unterbrechungen pro Stunde uns in dieser Stunde nicht mehr auf unsere Aufgabe konzentrieren können.

Hinzu kommt, dass bei Menschen, die mit Mails und Telefonaten bombardiert werden, der Intelligenzquotient um 10 Punkte sinkt!

Jetzt wird mir klar, warum ich im Business mehr und mehr mit Oberflächlichem konfrontiert werde. Die Menschen ertrinken in Ihren Mails und sind Sklaven von WhatsApp und Facebook.

Jede Nachricht ist ein kleiner Dopaminausstoß und macht uns glücklich. Aber fokussiert sind wir nicht mehr.

In der modernen Arbeitswelt wird heute Multitasking gefordert, aber wir können das nicht. Unser „Betriebssystem“ ist über 40.000 Jahre alt und hat kein Update erhalten. Natürliche Reaktionen sind Burn-Out, Arbeitsverweigerung oder die Verbreitung von Oberflächlichem. Unsere Welt ist aber heute vernetzter als je zuvor. Die Zusammenhänge liegen nicht offen auf der Hand sondern können nur durch intensives Nachdenken erkannt werden.

Wir können uns mit unserem Bewusstsein nur auf eine Sache konzentrieren. Wir können mit unserem Körper tanzen, uns bewegen und über eine Sache nachdenken. Aber wir können nicht über zwei Sachen nachdenken.

Unser Gehirn ist eine Problemlösungsmaschine für eine Aufgabe.

In früheren Zeiten hatte jede Tätigkeit einen Ort und auch eine Zeit. Wenn ich telefonieren wollte ging ich zum Telefon, wenn ich etwas schreiben wollte, ging ich zum Schreibtisch. Wir hatten eine strukturierte Trennung unserer Tätigkeiten und waren fokussiert.

Heute machen wir alles am Computer. Da kann ich sehr gut schreiben, aber auch stundenlang im Internet surfen und der Prokrastination frönen.

Wer wirklich produktiv tätig sein will, sollte Tätigkeiten zusammenfassen und so auch bearbeiten. Mehr Tipps hierzu findest Du in meinem Buch “ Ordnung im Chaos“

Hier noch eine kleine Anekdote von einem unbekannten Verfasser

Es kamen ein paar Suchende zu einem alten Zenmeister.

„Herr“, fragten sie „was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich wie du.“

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: „Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?“

Es kam die gleiche Antwort: „Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich.“

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend, fügte der Meister nach einer Weile hinzu: „Sicher liegt auch Ihr und Ihr geht auch und Ihr esst. Aber während Ihr liegt, denkt Ihr schon ans Aufstehen. Während Ihr aufsteht, überlegt Ihr wohin Ihr geht und während Ihr geht, fragt Ihr Euch, was Ihr essen werdet. So sind Eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo Ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.“

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung