#147 – Jammern gehört dazu oder?

Wenn wir uns umschauen, wenn wir die Zeitung lesen oder den Fernseher einschalten – überall wird gejammert. Die Wirtschaft jammert über den Mindestlohn, die Menschen jammern über das Wetter usw.

Warum, weshalb und welchen Sinn hat das? Warum jammern wir, gehört das zu unserem System dazu?

Wir Menschen reagieren auf Angst viermal stärker als auf Chancen. Das hängt mit unserer Evolution zusammen. Die Ängstlichen und Vorsichtigen haben überlebt, die Anderen wurden vom Säbelzahntiger „gefressen“ und konnten ihre Erbinformationen nicht weiter geben.

Deshalb ist unser Angstsystem so stark ausgeprägt. Wann entsteht Angst?

Wir Menschen machen uns ein Bild der Realität in unserem eigenen Kopf. Der Automatikregelkreis generiert eine individuelle Wirklichkeit. Zu jeder Wirklichkeit die wir erzeugen, gibt es eine sogenannte Erwartungshaltung. Unser Gehirn erwartet, dass auf die aktuelle Wirklichkeit etwas bestimmtes passiert. (Unser Hirn möchte, dass die Geschichte so weiter geht) Etwas, was in der Vergangenheit fast immer passiert ist und sich deshalb fest im Automatikregelkreis eingebrannt hat.

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Weicht die Realität von dieser Erwartungshaltung ab, dann startet unser Alarmsystem. Dieses reagiert jetzt darauf mit Neugier oder eben mit Angst. Neugier entwickeln wir dann, wenn wir ein Ziel verfolgen, eine Motivation haben und uns die aktuelle Veränderung diesem Ziel näher bringen kann. Wenn wir ziellos durch die Welt gehen erschrecken uns Veränderungen, die wir nicht erwartet haben.

Unser Automatikregelkreis wehrt sich gegen jede Veränderung. Die Beharrungskraft ist stark.

Motivation vs. Angst

Alles was wir erwarten, können wir mit einem Automatismus beherrschen.

(„So haben wir das immer schon gemacht“)

Alles, was wir nicht automatisch erledigen, benötigt einen großen Energieeinsatz. Ja es ist leider so, der Einsatz unseres Verstandes, unseres Motivationsregelkreises, ist mühsam und sehr sehr anstrengend. Das ist ja auch der Grund, warum wir ein Leben lang Dinge vereinfachen und automatisieren. Der Automatikregelkreis bringt uns durch den Tag, der Motivationsregelkreis führt uns in die Zukunft.

Energieaufwand wollen wir nur erbringen, wenn wir einen Nutzen darin sehen. Im Blog über Motivation habe ich schon geschrieben, dass die Motivationskraft vom Abstand der aktuellen Wirklichkeit von der Veränderbaren Wirklichkeit abhängt.

Diese Motivationskraft müsste uns jetzt bewegen etwas zu ändern. Bei uns Menschen ist der aktuelle Zustand, auch wenn er nicht gut ist, oft okay. Wir haben uns daran gewöhnt. Die Veränderbare Wirklichkeit, die wir uns denken, liegt nicht soweit von der aktuellen Wirklichkeit entfernt, dass eine große Kraft enstehen würde, die uns zur Veränderung antreibt.

Der Energieaufwand für die Veränderung ist größer als die Energie der Motivation!

Also ist der Status quo meistens energetisch besser als die Veränderung. Wir wissen aber, dass es besser sein könnte, wir aber uns nicht bewegen wollen. Also fangen wir an zu jammern!

Jammern ist ein Ausdruck dafür, dass wir uns der besseren Zustände durchaus bewusst sind, aber sie nicht erreichen können, weil wir den Energieaufwand scheuen!

Wir Menschen sind faul, bequem und lieben Abläufe, die automatisiert sind.

Aber Veränderung, Chancen, Ziele sind immer mit Aufwand verbunden.

Deshalb wählen wir immer die selbe Regierung, obwohl es nicht optimal läuft, deshalb wollen wir jeden Tag den selben Ablauf, deshalb sollen die Zahlen im Unternehmen immer nach oben gehen, obwohl schon jeder dieses Produkt hat und der Markt gesättigt ist. Wir wollen das es so weiter geht, wie es immer weiter gegangen ist – oder: Wir jammern den ganzen Tag!

Hör auf zu jammern und nutze den Tag, nutze die Chancen auf Veränderung. Jede Veränderung ist eine Chance. Evolution hat nicht auf einem stillen See stattgefunden. Stürme und Veränderungen haben dazu geführt, das wir das besitzen, was wir haben. Die beste Problemlösungmaschine im Universum – unser Gehirn.

Jammern ist eine Form der Resignation vor Veränderung – das bringt uns nicht weiter.

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung!