#149 – Große Leuchten und kleine Lichter

VW hat im letzten Jahr zugeben, mit einer Schummelsoftware millionenfach die Kunden betrogen zu haben! Die Software hat erkannt, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht oder real fährt. Die Messwerte wurde also durch Betrug erreicht.

Bis heute wissen wir nicht, wer dies getan hat und wer alles davon wusste. Handelt es sich hier um eine Marketing Offensive, ein Sales-Push Programm oder wusste niemand davon?

Man muss sich das mal vorstellen: eine Aktiengesellschaft, ein DAX Unternehmen mit einem millionenschweren Forschungs- und Entwicklungsetat. Einige wenige Menschen sollen die Idee gehabt haben mit einem Trick die Abgaswerte der Vorschriften zu erreichen.

Plötzlich und ohne Änderungen am Motor hat die Entwicklungsmannschaft die schwierigen amerikanischen Grenzwerte erreicht. Niemand im Führungszirkel dieser Menschen hat die Frage gestellt, wie sie die Werte erreichten? Niemand im Führungszirkel dieser Menschen ist auf die Idee gekommen, dass hier eventuell illegale Eingriffe vorliegen.

Ich komme aus einer Zeit, da reichten für das Leben im allgemeinen und die Arbeitswelt im speziellen die 10 Gebote und der gesunde Menschenverstand. Hier besonders das 8. Gebot : … du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinem Nächsten. (Du sollst nicht lügen und betrügen)

Heute hat fast jedes Unternehmen eine Compliance Abteilung die jährlich Webinare, Foliensätze und Anweisungen produziert. Ganze Gebäudeteile von Firmen befassen sich mit Mission-Statements und Werte der Firma. Man entwirft eine Vision die dann so komplex ist, das niemand sie fehlerfrei aussprechen oder aufschreiben kann. Bei Volkswagen lese ich folgendes:

Volkswagen will durch den Einsatz von intelligenten Innovationen und Technologien bei Kundenzufriedenheit und Qualität weltweit führend sein. Eine hohe Kundenzufriedenheit ist für Volkswagen eine der wichtigsten Voraussetzungen für nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Bis 2018 will Volkswagen der attraktivste Arbeitgeber der Automobilbranche werden. Wer die besten Fahrzeuge bauen will, braucht die beste Mannschaft der Branche: hoch qualifiziert, fit und vor allem motiviert. (Quelle )

Die Abgasmanipulation hat ein ganzes Unternehmen in Schieflage gebracht. Weil gegen Werte und ethische Grundsätze verstoßen wurde. Jahrelang und ohne das irgendjemand in den höheren Etagen nachgefragt hat, wie man denn die strengen Abgaswerte der USA erreicht?

Was ist denn das für eine Führungskultur? Gibt es in diesem Unternehmen keine offene Kommunikation? Niemand der Skrupel hatte? Hat die Entwicklungsmannschaft unkontrolliert vor sich hin entwickelt, ohne Dokumentation? Und sind alle Spuren verschwunden? (Trotz ISO 9001 usw.)

Irgendwann wird das hoffentlich alles herauskommen und das ZDF dreht dann einen Zweiteiler darüber mit Heino Ferch und Veronica Ferres in der Hauptrolle. Mario Adorf spielt dann den Winterkorn….

Der Fisch stinkt immer vom Kopf her bzw. die Treppen müssen immer von oben nach oben geputzt werden. Diese Weisheiten des Volksmundes sind leider unumstößliche Wahrheiten.

Am oberen Ende der Treppe müssen Menschen stehen die offen, kritikfähig, erneuerungsfähig und empathisch sind. Wobei empathisch immer eine Frage des räumlichen Abstandes ist. Wer in Essen sitzt, kann Menschen in Stuttgart wenig Empathie entgegen bringen, das beweist das Milram Experiment. Er hat nur die Chance Werte zu vermitteln. Das ist anscheinend nicht selbstverständlich. Wir brauchen mehr Leuchten mit heller Strahlkraft.

Führung ist eine Eigenschaft keine Position.

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung