# 166 – Ob du wirklich richtig stehst… wie wir Entscheidungen fällen

„Ob du wirklich richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht“

In meiner Jugend gab es eine Sendung die hieß 1,2 oder 3. Da wurden den Kindern Fragen gestellt und es gab drei mögliche Antworten. Jede dieser Antworten wurde durch einen blinkende Leuchtfläche signalisiert. Die Kinder mussten während der Bedenkzeit auf die richtige Leuchtfläche springen. Am Ende der Bedenkzeit leuchtete die richtige Antwort auf und jeder konnte erkennen ob er die richtige Antwort gewusst oder erraten hatte.

Wenn es im Leben nur immer so einfach wäre. Ich springe auf die Leuchtfläche und wenige Sekunden später kenne ich die richtige Antwort. Und wenn es immer nur drei Möglichkeiten gäbe, wäre es sicher auch viel einfacher im Leben.

Bei den Entscheidungen die wir täglich treffen, erfahren wir oft sehr viel später erst, ob die Antwort richtig ist.  Wie fällen wir Entscheidungen und welchen Einfluss haben unsere Entscheidungen tatsächlich auf die Welt.

Wie immer versuche ich die Antwort darauf in meinem Modell vom Menschen und seinem Handeln zu finden. Der eifrige Leser kennt meine Aussage, dass wir zwei getrennte Regelkreise in unserem Kopf haben. Der Automatikregelkreis sorgt für die Dinge, welche ohne Nachdenken ablaufen, die Gewohnheiten also. Der Motivationsregelkreis stellt Fragen, bewertet die Wirklichkeit und wird gemeinhin als Vernunft oder Verstand bezeichnet.

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Automat Mensch

Aus den Eingangssignalen, welche unsere Sinnesorgane aufnehmen, ergibt sich der Istzustand in unserem Gehirn. Alle Signale werden hierzu verarbeitet und in den neuronalen Verknüpfungen unseres Gehirns mit unseren Erfahrungen verglichen. Haben wir so etwas schon einmal erlebt? Wie haben wir damals reagiert? Ist die Situation gefährlich? Unser Automatikregelkreis, das Unterbewusstsein, verarbeitet hierzu bis zu 50 MBit/s. Würden alle diese Informationen auf unser Bewusstsein einströmen, würden wir unter der Informationsflut kapitulieren.

Deshalb filtert der Automatikregelkreis diese Fülle an Information mit dem Wahrnehmungsfilter. Der Automatikregelkreis selbst kann nicht reden und uns keine Informationen geben. Er kann nur Gefühle auslösen. Aus allen Informationen die zur Verfügung stehen generiert der Automatikregelkreis positive oder negative Gefühle.

Die reduzierte und gefilterte Information wird jetzt an den Motivationsregelkreis, das Bewusstsein, weitergegeben. Von den 50 MBit/s bleiben noch 100 Bit/s übrig! Diese 100 Bit/s kommen mit einer Verzögerung von 0,5 Sekunden im Bewusstsein an. Aus diesen Signalen konstruiert das Gehirn eine Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit, Meine Wirklichkeit, ist die Welt wie sie mir bewusst wird.

Nochmal zur Wiederholung: Die Realität wird mit 50 MBit/s erfasst, bewertet mit unseren Erfahrungen, auf 100 Bit/s reduziert und dann an das Bewusstsein übergeben, welches daraus eine Wirklichkeit konstruiert. Damit die Bewertung dieser unscharfen Wirklichkeit besser gelingt, kommen aus dem Automatikregelkreis noch die Gefühle hinzu. Gefühle helfen uns die Wirklichkeit besser und schneller zu erfassen.

Diese Wirklichkeit ist die Basis unserer rationalen Entscheidungen. Der Motivationsregelkreis hat hierzu eine hervorragende Fähigkeit. Er kann sich die Veränderung der Wirklichkeit vorstellen. Er kann ein Bild der Zukunft (Vision) erstellen bzw. Veränderbare Wirklichkeit entwerfen.

Hierzu nimmt er die aktuelle Wirklichkeit und vergleicht sie mit einer Zielwirklichkeit (Veränderbare Wirklichkeit)  die man mit bestimmten Entscheidungen erreichen könnte. Unterscheidet sich die Aktuelle Wirklichkeit von der Veränderbaren Wirklichkeit dann entsteht eine Motivation. Motivation ist die Energie die uns antreibt.

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Je mehr veränderbare Wirklichkeiten wir in unserem Kopf konstruieren, umso mehr Optionen ergeben sich für unsere Entscheidungen. Wer keine veränderbare Wirklichkeit konstruieren kann, hat auch nichts zu entscheiden.

Dieser Vorgang ist sehr sehr aufwendig und sehr energieintensiv. Für eine rein logische Entscheidung, wie sie Mr. Spock fällen würde, stören uns die Gefühle aus dem Automatikregelkreis.

Beobachte einmal bei einer Entscheidung die du gefällt hast, wieviele Optionen generiert wurden. Meistens sind das sehr wenige Optionen oder keine.

Wir fällen aus einer gefilterten, halbwahren Realität (Wirklichkeit) Entscheidungen für unser Leben. Meistens fehlt uns die Zeit einer logischen Analyse und wir generieren nur wenige Optionen. 

Da jeder von uns eine andere Lebensgeschichte und andere Erfahrungen hat, haben wir alle andere Gefühle und Bewertungen. Jeder von uns hat seine eigene Wirklichkeit! Junge Menschen haben eine andere Wirklichkeit als alte Menschen, Frauen eine andere als Männer. Ähnlichkeit mit der objektiven Realität wäre rein zufällig. (Es macht keinen Sinn über die unterschiedlichen Wirklichkeiten zu streiten, sie sind für jeden real, aber eben nicht objektiv)

Wir bleiben praktisch in unserer Wirklichkeit gefangen, wenn wir nicht eine veränderbare Wirklichkeit konstruieren und versuchen diese zu erreichen. Ohne Entscheidung und Zielsetzung wiederholen wir das, was wir schon immer wiederholt haben.  Da wir uns ständig an die Realität adaptieren und unsere Erfahrungen gespeichert werden, finden wir uns in unserer Welt zurecht.
Welchen Einfluss haben unsere Entscheidungen eigentlich auf unser Leben?

Wenn wir uns entscheiden, dann starten wir eine Aktion. Wir greifen in die Realität um uns ein. Dabei müssen wir uns bewusst machen, dass ein einzelner Mensch nur einen sehr geringen Einfluss auf die Realität hat. Andererseits kann oft eine kleine Entscheidung große Veränderungen nach sich ziehen.

Sobald wir eine Entscheidung gefällt haben, ändert sich damit auch unsere Einstellung zur Welt (Realität), damit auch unsere Wirklichkeit und unser Wahrnehmungsfilter wird in seiner Einstellung verändert. Was passiert?

Meine Wirklichkeit wird verändert und ich bekomme den Eindruck, dass meine Entscheidung die Welt (Meine Welt) verändert hätte.

Wir erschaffen uns quasi mit unseren Entscheidungen auch eine andere Wirklichkeit. Da diese Wirklichkeit mein Handeln bestimmt verändere ich auch, wenn möglich, die objektive Realität.

Ob eine langfristige Entscheidung die richtige Entscheidung war, hängt einerseits von äußeren Faktoren ab (Lässt sich die Realität mit dieser Entscheidung überhaupt verändern?) , aber auch davon, ob ich den Weg, den ich eingeschlagen habe, auch konsequent weiter gehe.

Niemand kann vor einer Entscheidung wissen, ob diese richtig ist. Entscheiden bedeutet nicht nur sich für etwas zu entscheiden, sondern oft auch gegen etwas!

In vielen Biographien erfolgreicher Menschen kann man erkennen, dass sie einmal in ihrem Leben eine Entscheidung gefällt haben und dann mit ihrer ganzen Kraft und Ausdauer diese Richtung weiter verfolgt haben. Unser Einfluss auf die Realität ist nur gering und wir brauchen einen langen Atem.

Wenn Du dich für einen Weg entschieden hast, dann mache diesen Weg auch erfolgreich! 

Manche Entscheidungen machen wir zum Erfolg, da wir unbewusst unsere eigene Wirklichkeit anpassen.

Wichtig ist, dass wir uns Veränderbare Wirklichkeit vorstellen, dass wir darüber nachdenken und uns Ziele setzen. Nur dann kann ich auch etwas entscheiden, nur dann habe ich Optionen.

Wer Angst hat eine falsche Entscheidung zu fällen, sollte sich vor Augen halten, dass unser Einfluss begrenzt ist und nur wenige Entscheidungen lebensbedrohlich sind. Stellt sich die Entscheidung als falsch heraus, muss man den Weg korrigieren. (Umgehend) Erfolg ist oft kein geradliniger Weg.

Wer keine Entscheidungen fällt (weil er vielleicht Angst hat oder Gewissheit braucht) der fällt auch eine Entscheidung. Die Entscheidung das alles so bleibt, wie es schon immer war.

Es ist nicht möglich nicht zu entscheiden.
Deshalb gilt : Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung!