#51 – Immer und Überall – Ablenkung Strukturlosigkeit Langeweile

Eine der großen Errungenschaften unserer Zeit ist unserer Erreichbarkeit. Immer und überall. Arbeit, Ablenkung und Kommunikation.
In meinem Bekanntenkreis haben 2 von 3 ein Smartphone. Sind immer und überall erreichbar. Per Mail, SMS oder Social Media.
Gleichzeitig Klagen 52% der Arbeitnehmer über zunehmenden Stress und 50% über Monotonie und Langeweile.
Die reine Menge an Arbeit kann nicht das Problem sein, denn die war früher viel höher. Heute sind die Leute meistens mit einem Bruchteil der Aufgaben schon überfordert. Warum ist das so?
Ich hatte bereits mehrfach erklärt wie wir Menschen aus der Sicht eines Automatisierungstechnikers funktionieren.

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Wir meinen immer wir hätten alles im Griff aber in Wirklichkeit steuern wir nur einen Bruchteil unserer Aktionen tatsächlich bewusst.
Das meiste kontrolliert unser Modell von Welt. So nenne ich das gigantische Neuronale Geflecht welches schnelle Entscheidungen anhand langfristig angelegter Verknüpfungen fällt. Man könnte es auch unser Unterbewusstsein nennen. Aber es ist viel viel mehr.

Unsere Wahrnehmung der Welt kommt aus diesem Modell von Welt. Die Welt da draußen erschließt sich uns nur sehr schwer oder gar nicht. Je genauer das Modell der Realität entspricht, umso besser. (Stimmt dieser Abgleich nicht mehr, bezeichnen wir die Menschen im Allgemeinen als krank) Ein Großteil unserer Entscheidungen werden automatisch gefällt und werden uns dann vielleicht bewusst oder auch nicht. Dieses Modell von Welt wurde durch jahrelange Erfahrungen und Erlebnisse konfiguriert. Jeder von uns trägt sein eigenes Modell von Welt mit sich rum und hat damit auch seine eigene Wahrnehmung der Welt. Es steht mir nicht an meinen Nachbarn wegen dessen Modell von Welt zu kritisieren. Auch gesellschaftliche Normen und Regeln werden in diesem Modell gespeichert. Es handelt sich einfach um die Erfahrungen unserer Jugend oder aus jahrelangen Routinen.

Diese schnelle Reaktion hat uns über Jahrhunderte das Überleben gesichert.

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Auf neue Anreize reagiert dieses System wie folgt. Jeder neue Reiz geht durch unser Modell von Welt. Findet unser Modell schnell ein ähnliches Erlebnis, so reagiert es mit ähnlichen Reaktionen und Gefühlen wie damals als dieses Erlebnis abgespeichert wurde. Ähnliche Erlebnisse wecken ähnliche Gefühle in uns.
Findet sich im Modell von Welt nichts Ähnliches so wird der Reiz als Neu eingestuft. Es handelt sich jetzt um eine Ausnahmesituation.
In dieser Ausnahmesituation gibt es jetzt 2 mögliche Handlungsoptionen: Flucht oder Interesse.
Manche Menschen reagieren auf neue Dinge immer mit Angst. Ihr Modell von Welt ist so programmiert weil Sie bisher nur solche Erfahrungen gemacht haben oder in Ihrem familiären Umfeld alle Menschen ägnstlich waren.
Interesse hat 2 verschiedene Ausprägungen.

1.) Schneller Lustgewinn und Freude oder

2.) Neugier.

Schneller Lustgewinn hat dabei immer sehr hohe Priorität. Das ist der Grund warum wir uns so gerne ablenken lassen von den schönen Dingen des Lebens.
Neugier müssen wir programmieren. Unser Verstand programmiert unseren Wahrnehmungsfilter und wir sehen dann Dinge die uns wichtig sind. Dinge die wir vorher nicht sahen.
Wenn es hier keine Fokussierung gibt, stellt sich unser Modell bei allen Dingen die Frage nach Lustgewinn oder Angst.

In unserer modernen Welt strömt eine Flut von Information ständig auf uns ein. Hinzu kommt, dass in unseren Firmen heute keine klaren Vorgaben mehr vorhanden sind. Die wichtigen Dinge werden in den Firmen nicht mehr vermittelt, da die sogenannten Führungskräfte oft ebenfalls in der Belanglosigkeit irgendwelcher Excel Listen verschwinden und das Modell von Welt der Firma nicht mehr fokussieren (einstellen). Auch Firmen funktionieren meiner Erfahrung nach so. Auch eine Firma hat ein Modell von Welt und irgendeiner muss den Wahrnehmungsfilter fokussieren sonst versinkt die Firma in persönlichem Lustgewinn und gleichförmiger Belanglosigkeit.

Gleichförmiger unstrukturierter Informationsfluss aller Daten in Verbindung mit fehlender Strukturlosigkeit unserer Arbeitswelt führen dazu das dem Individuum alle Dinge gleich wichtig vor kommen. Es gibt aber in unserer Arbeitsumgebung viele Dinge die muss man nicht tun. Die führen nicht zum Erfolg. Auch sind niemals alle Dinge gleich wichtig. Nach Pareto sind ja nur 20% wirklich wichtig und wir erreichen damit 80% unserer Ergebnisse. Aber wir erkennen diese 20% in der unförmigen Masse nicht mehr.
Da wir das aber nicht erkennen sind wir überfordert. Es entsteht Stress. Wie bereits erwähnt, ist Stress eine Reaktion auf Überforderung. Stress ist eine Reaktion des Körpers auf Überforderung. (Körperliche oder Geistige) Eine möglicher Ausweg ist die Flucht in Dinge die uns Spaß machen. Früher war das Kaffee trinken, heute sind das soziale Netzwerke. Ablenkung: Was macht Hans denn gerade? Wo ist Er denn gerade. Hans ist Nr. 498 meiner Freundeliste bei Facebook und eigentlich kenne ich nur seine Postings. Bringt er mich weiter? Ist er wichtig für mich? Wahrscheinlich nicht. Aber die Ablenkung befriedigt unser Lustzentrum im Gehirn. (Kurzfristig jedenfalls)

Mit der tiefen Integration von Facebook und Twitter in alle unsere Geräte wird es noch leichter sich ablenken zu lassen. Willkommen in der schönen neuen Welt 2.0

Unsere Freunde sind auch keine Freunde im eigentlichen Sinn mehr.

Wir versinken in Aufgaben und Prozessen. Abhilfe gibt es nur, wenn Du diese Struktur in die Welt bringst. Die Struktur die fehlt, müssen wir in unser Leben bringen. Wir müssen wieder die wichtigen Dinge von den unwichtigen Dingen trennen.

Wir müssen unsere wichtigen Dinge definieren. Warum binn ich eigentlich hier? Lebensziele sind wichtig. Demnächst mehr.

Dranbleiben es gibt noch Hoffnung!