Vom Ende der Diplomatie

Schaut man bei Wikipedia, dann bedeutet Diplomatie:

„Diplomatisches Verhalten nennt man das Tun und Lassen eines Verhandelnden, das den Agierenden dabei Kompromissbereitschaft und den Willen bescheinigt, die Absichten und die Wünsche jedes Beteiligten zu erkennen;das sogenannte Win-Win-Situationen sucht; das es möglichst vermeidet, andere Verhandelnde bloßzustellen oder in die Enge zu treiben; das geeignet ist, den langfristigen Nutzen zu maximieren (es wäre also undiplomatisch, sich einen kurzfristigen Nutzen zu sichern, dabei aber langfristig Nachteile oder Konflikte zu riskieren bzw. in Kauf zu nehmen).“ (Quelle Wikipedia)

Ich meine mich zu erinnern, dass es sowas in der Vor-Internet-Zeit tatsächlich gab. In meiner Jugend waren die Fronten so klar, dass jeder offene Konflikt nicht kontrollierbar gewesen wäre. Ich komme noch aus einer Zeit, da waren die Guten im Westen und die Bösen im Osten. (Das die auf der anderen Seite es umgekehrt sahen, interessierte mich nicht )

Heute führt jede Krise sofort zu einem Brennpunkt im Fernsehen. Gut gebildete Menschen stehen vor der Kamera und sagen: Nichts, weil sie nichts wissen. Die können nur ihre Wirklichkeit erzählen, die Realität bleibt unbekannt.

Über alle Kanäle wird Stimmung in die ein oder andere Richtung gemacht. Wer eben jetzt gerade die Presse kontrolliert. Früher nannte man das Propaganda. Da keinerlei Fakten bekannt sind, bleibt alles Spekulation. Wird aber wichtig gemacht. Es sprechen sogenannte Experten und erklären, warum dies oder jenes passiert. Man redet übereinander und nicht mehr miteinander.

Nehmen wir mal als Beispiel den Fall Ukraine.

Mir als Mitglied der Baby Boomer Generation war von Anfang an klar, dass die Lösung für dieses Problem in Moskau liegt.

Alles begann damit, das die (gewählte) Regierung Janukowitsch das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht unterzeichnet hat. Vorangegangen war ein russischer Vorschlag über eine Zollunion mit Russland, Kasachstan und Weißrussland. Beide Seiten stellten jetzt praktisch ein Ultimatum. Entweder EU und später NATO, oder Russland. Die Ukraine musste sich entscheiden. Daran ist die Ukraine zerbrochen.

Von außen betrachtet haben in Kiew Aufständische die gewählte Regierung gestürzt. Einer der ersten Gesetzentwürfe war der Wegfall der Russischen Sprache als Amtssprache. (Unter uns, gehört das nicht zu den einigenden, vertrauensbildenden Maßnahmen)

Aus Angst davor die Stützpunkte auf der Krim zu verlieren hat Russland Maßnahmen eingeleitet. (Es sind Vermummte auf der Krim gelandet, die sich, so Putin, wohl irgendwo Uniformen gekauft haben 🙂 )

Aufständische auf der Krim, 60% davon sind Russen 25% Ukrainer, haben daraufhin ihr Regional Parlament entmachtet und die Macht übernommen. Diese Aufständischen werden jetzt von den anderen Aufständischen beschuldigt, gegen das Gesetz zu verstoßen. Wer ist denn da im Recht? In Ägypten wurde auch die gewählte Regierung gestürzt und der Westen fand das ganz ok. Geht es um Interessen oder geht es um Recht? Die Situation in der Ukraine ist aus dem Ruder gelaufen. Es gab offensichtlich keine echten diplomatischen Bemühungen. Die Amerikaner ,(Guantanamo , NSA Abhörung, Überfall auf Irak ), versuchen jetzt das Recht zu verteidigen. (Oder nur die Interessen ? )

Steinmeier fliegt ins Baltikum. Dort wird er die Probleme nicht lösen. Die EU ergreift einseitig Partei für die Aufständischen des Maiden und Russland unterstützt die Aufständischen auf der Krim.

Wer Recht hat oder nicht, ist eine Frage des Standpunktes. Diplomatie, das Erreichen einer Win-Win Situation, in der beide Seiten ihr Gesicht wahren können ?

Wo bleibt die Diplomatie?

Jede Seite verkündet über die Presse ihren Maximalstandpunkt. Vertrauen gibt es nur zwischen Menschen, die sich gegenüber sitzen.