#198 – Die Zukunft der Arbeit in Zeiten der Digitalisierung.

Was die Zukunft der Arbeit betrifft, sind die Experten sehr gespalten. Während die einen sagen alles bleibt wie es ist, oder anders, für die Arbeitsplätze die verloren gehen werden neue geschaffen, sagen andere Experten, das bis zu 80% aller Arbeitsplätze verloren gehen.

Für die offizielle Politik bedeutet Digitalisierung nur iPads im Vorschulalter und Informatik in der Schule. Mehr habe ich von der Politik hierzu noch nicht gehört.

Nichts von alledem wird wirklich wahr werden. Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie in die Zukunft gehen.

Schauen wir uns einmal die Fakten der Arbeit an. Wenn eine Arbeit zu tun ist, gibt es immer drei Optionen dafür:

1. Ich bezahle jemand dafür, dass er die Arbeit macht.

2. Ich automatisiere diese Arbeit und lasse Maschinen und Algorithmen die Arbeit erledigen.

3. Ich mache die Arbeit selbst.

Warum gibt es überhaupt eine Arbeit die zu tun ist? Wir Menschen verändern die Umwelt um uns herum und dazu ist körperliche Arbeit notwendig. Physikalisch ist Arbeit das Produkt aus einer Kraft und einer Wirkungsrichtung dieser Kraft.

Wo immer wir etwas verändern möchten überlegen wir uns, ob wir hier Arbeit investieren um die Veränderung herbei zu führen. Manche Dinge tun wir nicht, weil der Aufwand in keiner Relation zur Veränderung steht.

Veränderungspotenzial oder Entscheidungsdruck

Der Abstand zwischen der Welt wie ich sie mir vorstelle und der Welt wie sie ist (Wirklichkeit) ist ein Maß für das Veränderungspotenzial. Je größer dieses Veränderungspotenzial um so größer sind die Chancen oder die Probleme und umso größer ist meine Bereitschaft etwas zu verändern. Kunden die keinen Entscheidungsdruck haben, laden dich zwar zum Kaffee ein, aber man macht kein Geschäft.

Der Lösungsanbieter

Überall wo Menschen ein Veränderungspotenzial haben und einen Entscheidungsdruck spüren, kann ein Lösungsanbieter in Erscheinung treten. Gemeinhin verwenden wir für diese Art Menschen den Ausdruck Unternehmer, weil sie etwas unternehmen. Arbeitgeber ist eigentlich ein falsches Wort, weil Sie haben eine Lösung und für diese Lösung benötigen sie Arbeit, Wissen und Energie. Ich möchte sie einfach Lösungsanbieter nennen. Sie bieten einen Service oder ein Produkt was das Veränderungspotenzial des Kunden verringert oder seine Probleme löst.

Diesen Service oder das Produkt bietet der Lösungsanbieter auf dem Markt an.

Der Markt

Überall wo Menschen bereit sind einen Preis zu bezahlen, damit ein Problem gelöst oder ein Service erbracht, oder ein Produkt gekauft wird, gibt es einen Markt.

Der Lösungsanbieter bietet eine Lösung (Produkt oder Service) für den Kunden an und der Kunde ist bereit für diese Lösung einen Preis zu bezahlen. Dabei ist der Kunde nicht bereit jeden beliebigen Preis zu bezahlen. Schon mehrfach scheiterten Produkte und Lösungen daran, dass niemand diese Lösung zum angebotenen Preis kaufen wollte oder niemand in der Lage war hier den Preis bzw. die Herstellkosten zu senken. Je größer die Probleme sind die gelöst werden oder je größer die Chancen mit einer Lösung sind umso größer wird die Preisbereitschaft sein. Gibt es mehrere Lösungsanbieter konkurrieren diese um die Lösung, was den Preis nach unten korrigiert.

Früher brachte man es auf die einfache Formel Angebot und Nachfrage regeln den Preis.

Die Kosten der Lösung

Der Lösungsanbieter hat jetzt immer die drei oben genannten Optionen. Er kann jemanden dafür bezahlen, dass er die Arbeit macht, kann die Arbeit automatisieren oder die Arbeit selbst erledigen.

Je nachdem für welche der drei Optionen man sich entscheidet ändern sich die Kosten seiner Lösung. Für den Lösungsanbieter sind seine Lösung und der erzielbare Gewinn mit seiner Lösung die zwei Seiten seiner Medaille. Man kann beides nicht getrennt voneinander behandeln.

Arbeit für andere Menschen

Findet man genügend Menschen die für wenig Geld bereit sind die Arbeit zu tun, kann ich es andere Menschen erledigen lassen. Dieser Zustand wird aber nur eine bestimmte Zeit anhalten, weil Menschen irgendwann mehr verdienen wollen und nach anderen Betätigungsfeldern suchen.

Automatisierung

Automatisiert man die Arbeit, dann ersetzt man körperliche Arbeit durch eine Investition in eine Maschine (Kapital) und benötigt eine Energie dafür. (Strom, Öl, Kohle, Sonne usw.)

Eine Maschine hat ihren Preis und die Energie ebenfalls. Die Kosten einer Automatisierung sind nicht null. Die Investition kann sehr hoch sein und es dauert eventuell viele Jahre bis die Investition in Automatisierung günstiger ist wie Arbeit für andere Menschen.

Die Arbeit selbst erledigen

Hier begibt man sich in eine direkte Abhängigkeit. Der Preis den ich für eine Lösung erziele, bestimmt direkt was ich dafür an Geld erhalte. Auch hier stellt sich irgendwann die Frage ob sich das was ich anbiete noch lohnt und ob ich davon leben kann oder doch besser als Angestellter Arbeit für andere Menschen erledige.

Alles hängt hier mit allem zusammen. Es handelt sich praktisch um ein vernetztes System, was der Grund dafür ist, das Wirtschaft nicht so einfach zu verstehen ist.

  • Gibt es kein Veränderungspotenzial, dann gibt es keinen Markt!
  • Der Preis der Lösung muss in Relation zur Veränderung stehen!
  • Niemand tut etwas umsonst sondern Bestätigung, Anerkennung und Gewinn sind die Antreiber!

Der Fachkräftemangel ist so ein einfaches Beispiel für diese Vernetzung.

97% der Unternehmen klagen darüber, dass sie nicht genügend qualifizierte Bewerber finden.

Wo kommen denn diese Bewerber her und wer von diesen Unternehmen hat diese Bewerber in den letzten Jahren ausgebildet?

88% der Unternehmen sagen der Markt ist leergefegt von den Spezialisten und 54% klagen darüber, dass sie nicht die Konditionen bezahlen können.

https://www.welt.de/wirtschaft/article170337789/Fachkraeftemangel-wird-fuer-Deutschland-zum-Umsatz-Killer.html

Jedes zweite Unternehmen kann die geforderten Konditionen nicht erfüllen damit jemand für dieses Unternehmen arbeitet. Was soll denn das?

Dann muss man entweder automatisieren, die Arbeit selbst machen oder sich von der Lösung verabschieden. Es gibt keine anderen Optionen jammern hilft hier nicht. Also ist die Digitalisierung hier eine Lösung?

Die sogenannte Digitalisierung, die in aller Munde ist, bedeutet in erster Linie, dass alles mit allem vernetzt wird. Eigentlich ist Digitalisierung der falsche Namen für das was passiert. Digitalisierung machen wir schon über 30 Jahre und Automatisierung noch viel länger. Aber jetzt wird alles mit allem vernetzt. Unendlich viele Informationen können gespeichert und mit intelligenten Algorithmen zu Lösungen führen, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Jahrzehntelang haben wir die einzelnen Bereiche unseres Lebens digitalisiert, jetzt vernetzen wir sie und stellen plötzlich fest, dass ich keine Taxizentrale mehr brauche sondern nur eine App. Intelligente Maschinen lesen digitalisierte Briefe von Kunden und beantworten diese ohne menschliches Zutun. Autos sind jahrelang optimiert worden und mit Assistenzsystemen ausgestattet worden und jetzt vernetzen wir sie und sie fahren autonom. Das geht staufrei und koordiniert nicht egoistisch und individuell. Die Welt wird sich in den nächsten 10 Jahren so schnell verändern wie noch nie zuvor.

Ganze Berufsbilder werden sich verändern und ganze Berufsbilder wegfallen wenn, ja wenn es sich lohnt das zu tun. Auch hier gelten die drei Optionen von oben.

Digitalisierung und Vernetzung bedeutet nichts anderes wie Automatisierung der Arbeit. Wenn es sich lohnt das zu tun, wird es stattfinden.

Moores Gesetz besagt, dass sich die Rechenleistung alle zwei Jahre verdoppelt. Das bedeutet in 10 Jahren eine Steigerung der Rechenleistung um den Faktor 32!

In zehn Jahren können wir 32x soviele Daten im iPhone XX (20) speichern? Oder es ist 32x so schnell wie heute, oder die gleiche Technik kostet noch das 1/32 .

Die Mobilfunkbranche wird mit 5G die Datenübertragung verzehnfachen.

Kein Mensch kann mit diesen Steigerungen mithalten und niemand wird sie in ihrer Gänze verstehen.

Die neuen Lösungsanbieter nutzen alle diese Ressourcen und jeden Euro in die Investition in ihre zukünftigen Lösungen. Die neuen Lösungsanbieter machen alle keinen Gewinn, da jetzt die Zeit des Aufbaus und des rasanten Wachstums ist. Der Gewinn kommt erst in der Zukunft. Das war übrigens beim Bau der Eisenbahn nicht anders. (Man konnte erst Fahrscheine verkaufen und Gewinne machen, als man Unsummen in das Schienennetz investiert hat.)

Die alten Lösungsanbieter verdienen mit ihren aktuellen Lösungen noch gut Geld und die Gewinne sind hoch. Die Geldgeber der alten Lösungsanbieter treiben sie zu hohen Gewinnen.

Dadurch fehlt den alten Lösungsanbietern Geld für die Zukunft. Sie fallen immer mehr zurück. Dieser Abstand wächst exponentiell wie bei Moores Gesetz!

Wie wird also die Arbeitswelt in Zeiten der Digitalisierung aussehen? Roboter wird es nur geben, wenn es ein Produkt oder eine Dienstleistung oder ein Service gibt, den irgend jemand braucht.

Wenn niemand einen Service oder eine Dienstleistung oder ein Produkt braucht, gibt es dafür keinen Markt, keine Arbeit, beziehungsweise auch keinen Roboter der diese Arbeit macht.

Sicher wird die neue Arbeitswelt nicht so, wie wir uns diese wünschen. Noch niemals wurden hier Wünsche umgesetzt. Es wird nur das getan, was notwendig ist um mit einer Lösung Erfolg zu haben.

Wird keine Lösung mehr benötigt, siehe Energiewende, dann gibt es leider für ganze Bereiche keine Beschäftigung mehr.

Kann man diese Lösung mit Algorithmen und Robotern automatisieren und ist diese Investition wirtschaftlich, wird sie umgesetzt.

Der Verlust von Arbeitsplätzen ist somit unvermeidlich. Keiner wird verschont.

Denken wir an Moores Gesetz. Die Rechenleistung unserer Konkurrenten verdoppelt sich alle zwei Jahre! Ich kenne viele die haben schon lange kein Buch mehr gelesen. Wie sollen wir hier konkurrieren?

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung.