#183 – Die Apple Watch 2 im Test?

Als im Jahr 2015 die Apple Watch auf den Markt kam, war ich etwas enttäuscht. Da baut Apple eine Uhr und ohne das iPhone kann sie nur die Zeit anzeigen? Einen Remote Desktop Client für das iPhone?

Ich war schon immer auf der Suche nach einer brauchbaren Sportuhr. Sie sollte die Strecke aufzeichnen und den Puls erfassen können. Ohne zusätzliche Geräte.  Ich laufe seit Ende des letzten Jahrtausend regelmäßig und das Erfassen der Laufstrecke war von Anfang an ein großes Thema für mich.

Begonnen habe ich mit einer Polar 625SX. Für den Puls brauchte ich einen Brustgurt und die Strecke wurde mit einem Bewegungssensor am Schuh erfasst. Das war für die damalige Zeit schon relativ genau. Diese Polaruhr war eine reine Trainingsuhr. Für einen festlichen Anlass war diese Uhr nicht zu gebrauchen.

Im August 2015 habe ich mir von Polar den M400 gekauft. Für relativ wenig Geld hat diese Uhr GPS an Bord und kann fast 8 Stunden die Position aufzeichnen. Für den Puls braucht man auch hier einen Brustgurt. Dieser kostet extra.

Auch diese Uhr ist für einen festlichen Anlass ungeeignet. Ist einfach nicht sexy genug. 🙂

Ich liebe schöne Uhren, schon immer. Ich habe auch eine ziemliche Sammlung an Uhren.

Zwischenzeitlich habe ich mit dem Polar Loop experimentiert und das MiBand zusätzlich zu einer richtigen Uhr getragen. Ich wollte auf die Aktivitäts- und Schlafdaten nicht verzichten. Wenn man mal damit angefangen hat, ist man angefixt.

Im September 2016 hat Apple die Apple Watch Series 2 vorgestellt. Endlich haben sie GPS in die Uhr verbaut und sie ist jetzt wasserdicht bis 50m. Endlich haben sie aus der Apple Watch eine richtige Sportuhr gemacht. Pulsmessung und GPS in einer Uhr am Handgelenk.

Polar hat jetzt ebenfalls mit der M430 eine Uhr vorgestellt, die Puls und GPS am Handgelenk vereint.  Aber auch diese Uhr ist für keinen festlichen Anlass geeignet, das Armband ist nicht wechselbar und sie kostet auch 230,-€.

Vor zwei Wochen habe ich dann endlich die Apple Watch Sport gekauft. In Gold 42mm mit blauen Band.

Hier kommen meine Erfahrungen nach zwei Wochen intensivem Gebrauch.
Aussehen:

Im Gegensatz zu den meisten Sportuhren sieht die Apple Watch richtig gut aus. (Ist natürlich Geschmacksache) Ich kann die Armbänder blitzschnell wechseln (Ging bei meiner Polar M400 nicht) und die Uhr so jedem Anlass anpassen.

Sie passt unter einen Anzug und zum festlichen Anlass genauso, wie auf den Volkslauf oder die Schwimmveranstaltung. Sie ist im Vergleich zu anderen Sport- und Smartwatches ziemlich zierlich und elegant.
Bedienung:

Die Bedienung ist, für Menschen die viel mit Apple arbeiten, weniger intuitiv als das iPhone. Mir passiert es auch jetzt noch, dass ich zuerst den falschen Knopf drücke. Wie gesagt das ist rein subjektiv und jammern auf ganz hohem Niveau.

Die Uhr hat eine Digital Crown (Da hat man früher die Uhr mit aufgezogen) zum Scrollen und auswählen und eine große Taste mit der man das Dock öffnet. Im Dock liegen die wichtigsten Apps und man kann hier schnell eine Auswahl treffen. Das ist so ähnlich wie der Doppelklick auf den Homebutton beim iPhone.

Das superscharfe Display ist mit 3D Touch ausgestattet. Durch einfaches Wischen kann man die Watchfaces, also das Aussehen der Uhr und ihre Funktionen, wählen. Ein fester Touch bringt, wie beim iPhone, zusätzliche Optionen und Anpassungen zum Vorschein.

Die Einrichtung der Watch geht über die Watch App auf dem iPhone.

Die Apple Watch kann nur mit dem iPhone betrieben werden! Andere Smartphones, falls es da andere gibt, funktionieren nicht. 

Apple typisch ist die Verbindung und Einrichtung ein Kinderspiel.
Watchfaces:

Die Uhr kann alles anzeigen. Zeiger, Digitale Uhrzeiten, Bilder usw. Man kann sich seine eigenen Zifferblätter zusammenstellen. Einige können Knöpfe/Icons für bestimmte Funktionen enthalten. Da man relativ leicht zwischen den Watchfaces hin und herwischen kann, habe ich mir folgende Watchfaces zusammengestellt.

Ein Elegantes, eins fürs Büro, eins für den Feierabend, eins für Reisen und eins für die Nacht.

Mein Watchface für Reisen und unterwegs.

Man kann sich seine Uhr konfigurieren wie man möchte.
Sport und Aktivitäten

Mit der Apple Watch hat der Brustgurt zur Pulsmessung endgültig ausgedient. Nur mit der Uhr am Arm kann ich meine Herzfrequenz und die Laufstrecke aufzeichnen.

Die Uhr kommt mit einer onboard App Aktivitäten bzw. Training. Hier kann man die Sportart auswählen, die man trainieren möchte, drückt auf Start und los geht es. Die Uhr startet immer mit einem Countdown von drei Sekunden. Danach zeigt sie im Display die wichtigsten Dinge an.

Die Konfigurationsmöglichkeiten sind hier stark eingeschränkt. Bei meiner M400 von Polar konnte ich alles mögliche zur Anzeige bringen. Das funktioniert mit der Apple Watch so nicht. Für meine Laufeinheiten habe ich mir die Nike+ Running App installiert. Diese läuft originär auf der Uhr ohne iPhone.

Die Nike+ App gibt mir die Möglichkeit, die Aktivität im Browser anzusehen und zu bewerten.

Was mir bisher nicht gelungen ist, ist eine geplante Trainiingseinheit auf der Uhr auszuführen. Zum Beispiel Intervalltraing mit 10 Minuten einlaufen, 10×2 Minuten Tempo mit je 2 Minuten Pause und 10 Minuten Auslauf. Das konnte ich bei der Polar M400 einstelllen, bei der Apple Watch geht das nicht. Auch nicht in der Nike+ App. Die Nike+ App hat zwar einen Coach und einen Plan aber der kann nicht auf der Watch ausgeführt werden. Wer das programmiert hat, muss wenig Sachverstand gehabt haben oder er hatte kein sinnvolles Pflichtenheft.

Für meine Anforderungen genügt die Funktionalität, im Vergleich zu einer richtigen Laufuhr bleibt die Apple Watch aber deutlich zurück. Eventuell kommt mit watchOS 4 hier einiges hinzu.
Apps auf der Watch

Die Apple Watch Serie 1 war eigentlich nichts anderes als ein Display für das iPhone. Die Serie 2 kann eigenständige Apps auf der Uhr installieren. Diese funktionieren dann ohne iPhone.  Trotzdem funktionieren viele Apps nur mit dem iPhone. Das wird sich mit der nächsten watchOS 4 Version sicher  ändern.

Aktuell habe ich auf der Uhr folgende Apps installiert.

  • Nike+ Run Club für das Lauftraining.
  • Sleep++ für die Schlafaufzeichnung. Die Apple Watch kommt von Hause aus ohne dieses Feature.
  • TrinkCheck als Erinnerung mehr zu trinken. Ist eine kostenlose App von Gerolsteiner.
  • Say&Go einen Sprachrecorder. Habe ich unterwegs einen Einfall starte ich diese App direkt vom Display und spreche die Idee in die Uhr. Ich brauche kein Netz und kein WLAN. Sobald das iPhone im der Nähe ist, werden die Aufzeichnungen übertragen.

Als Kalender und Erinnerungen (Aufgaben) benutze ich die vorinstallierten Apps.
Synchronisation 

Wie man es von Apple gewohnt ist, läuft alles im Hintergrund und problemlos ab. Das ist bei Polar schon ein abenteuerliches ,wenn nicht rudimentäres Verfahren. Man musste es manuell anstoßen und dann hat es Ewigkeiten gedauert, bis die Synchronisation fertig war. Usability aus den 90er Jahren des letzten Jahrhundert.
Akkulaufzeit

Ja hier ist von Anfang an der Haupt Kritikpunkt an der Apple Watch gewesen. Man musste sie täglich laden.

Mit der Serie 2 hat Apple den Akku vergrößert und gibt jetzt 18 Stunden als Nutzungsdauer an.

Wenn ich morgens um 7 Uhr voll geladen starte, habe ich abends um 19 Uhr noch ca. 70% Akku. Das reicht locker über die Nacht und bis zum nächsten Abend. Das wären dann 36 Stunden!

Ich habe Benachrichtigungen über Mail deaktiviert nur iMessage ist scharf. Ich schaue mehrfach auf die Uhr und starte meine Pomodoro Timer im Büro, blättere durch den Kalender und durch die Erinnerungen.

Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man mit der Uhr trainiert. Hier wird der Herzfrequenzmesser und das GPS aktiviert. Bei dieser Kombination soll nach 5 Stunden der Akku leer sein. Ich habe das noch nicht ausprobiert, aber man merkt das Training beim Energieverlust deutlich. Ich trainiere immer ohne iPhone also muss die Uhr ihr eigenes GPS verwenden. Ist beim Training das iPhone in der Nähe und über Bluetooth verbunden, dann benutzt die Uhr das GPS des iPhones und der Akku hält wesentlich länger als ohne iPhone. Wenn weniger als 10% Akku vorhanden sind, geht die Uhr in die Gangreserve. Sie zeigt dann die Uhrzeit an beim Drücken der seitlichen Taste. In diesem Zustand soll der Akku 2 Tage überleben. Natürlich ist das dann keine Smartwatch mehr sondern nur noch eine Digitaluhr.
Siri

Hebt man den Arm um auf die Uhr zu blicken, dann wird das Display aktiviert. Mit dem Zauberwort „Hey Siri“ kann man Fragen an Siri stellen, Antworten diktieren, Timer setzen, nach dem Wetter fragen oder Apps starten. Das klappt sehr gut. Siri spricht hier nicht mit mir wie beim iPhone, es schreibt nur, aber das ist auch persönlicher. Für diese Funktion ist kein iPhone notwendig.

Die Apple Watch verbindet sich nämlich im 2,4Ghz WLAN mit jedem WLAN, das auch das iPhone kennt und nutzt. Das bedeutet bei mir zu Hause ist die Uhr im WLAN und ich kann Siri aktivieren, auch wenn mein iPhone ausgeschaltet ist. Unterwegs wäre für die Nutzung von Siri natürlich zwingend ein gekoppeltes iPhone notwendig.
iPod am Arm

Was man gerne vergisst, die Apple Watch kann bis zu 1GB an Musik auf der Uhr speichern. Das reicht für 100 Lieder locker aus. Diese Musik kann man über jeden beliebigen Bluetooth Kopfhörer oder Lautsprecher abspielen. (Ohne Internetverbindung!)

Seitdem gehe ich nur noch mit Bluetooth Kopfhörer ins Fitnessstudio. Das ist richtig entspannt. Die anderen tragen ihre 5 Zoll großen Tablets durch das Studio und ich habe nur den Kopfhörer und die Uhr. Bewegung, Kalorien und Herzfrequenz werden zusätzlich zur Musik noch aufgezeichnet.
Navigation am Arm 

Wenn über das iPhone in der Tasche eine Internetverbindung besteht, kann man sich zu jedem beliebigen Ziel navigieren lassen. Das geht sogar lautlos. Über unterschiedliche Vibrationen an der Uhr erkennt man an jeder Kreuzung, ob man links oder rechts gehen muss. Das klappt sehr gut und erlaubt Fußgänger- oder Fahrradnavigation ohne iPhone in der Hand oder am Lenker.
Wechseln der Armbänder

Kinderleicht durch Drücken von zwei Verriegelungen lässt sich das Armband tauschen. Man kann die Uhr so jedem Anlass anpassen. Elegant, Sportlich oder Schicki-Micki. Der Zubehörhandel kennt hier keine Grenzen.
Fazit

Die Apple Watch ist ein tolles Gadget. Sie ersetzt für mich meine bisherige Polar Uhr auch wenn die Polar Uhr einiges in Bezug auf Training mehr konnte.

Aber die Polar Uhr war nur eine Sportuhr, die Apple Watch ist eine Smartwatch, ein iPod, ein Navigationssystem, ein Assistent usw. Mit jedem Software Update wird sie etwas hinzulernen und wird damit immer besser. Meine Polar bleibt wie sie ist.

Das Gesamtpaket stimmt und der Preis geht dafür in Ordnung.
Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung