#91 – Wer nur Zahlen im Fokus hat, verliert die Mitarbeiter und die Struktur

Wir kennen das, um die Kosten zu senken und effektiver zu werden, werden wir 12000 Mitarbeiter abbauen.

Die Börse jubelt die Analysten freuen sich.

„Der Tod eines Mannes ist eine Tragödie, aber der Tod von Millionen nur eine Statistik.“ (Stalin)

Das Milgram Experiment hat gezeigt, dass wir mit Menschen, von denen wir getrennt sind, anders umgehen als mit uns nahen Menschen. Empathie spielt hier eine Rolle.

Es ist so wie Stalin gesagt hat: Der Tod eines Mannes (in dem Fall kennen wir den Mann und er ist uns nahe) ist eine Tragödie. Der Tod von Millionen Menschen ist nur eine Zahl.

12000 Menschen abzubauen ist auch nur eine Zahl. Betrifft es einen Mann den ich kenne, ist es eine Tragödie.

Was mich noch mehr interessiert ist die Frage, wie kommt man eigentlich zu dieser Zahl?

Wenn man als Naturwissenschaftler und Techniker ein System optimieren will, dann ändern wir eine Einstellung oder einen Teil des Systems und führen Messungen durch. Falsifikation ist das Stichwort. Man stellt fest, wie es nicht funktioniert und leitet daraus die Gesetzmäßigkeit ab. Versuch und Irrtum.

Selten erfolgt der Optimierungsansatz so, dass wir sagen, wir lassen am Motor 10% der Teile weg und der läuft besser. Manchmal weiß man auch genau welche Maßnahme welchen Effekt bringt, weil ein anderer dies schon getan hat.

Das ist Wissenschaft , das ist analytisches Vorgehen. Der Einsatz von Wissen und Verstand.

Jetzt ist ein Unternehmen ein komplexes Gebilde. Es hat viele Verknüpfungen und der Faktor Mensch wird, meiner Meinung nach, mehr und mehr unterschätzt.

Keine zwei Unternehmen sind wirkliche gleich! Deshalb passt der Vergleichsansatz nur bedingt.  Da haben wir Techniker es mit den Systemen schon etwas einfacher.

Wer meinen Blog verfolgt, kennt meine Aussage : Unternehmen sind wie Menschen!

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Die Führung hat nur wenig Info aus dem Unternehmen und Menschen neigen dazu, das zu Glauben, was sie glauben wollen. Der Wahrnehmungsfilter der CEO’s ist wie unser Wahrnehmungsfilter im Gehirn. Er lässt nur wenig Informationen durch.

Das Unternehmen ist jetzt das System, welches zu optimieren ist. Zum Vergleich: der Naturwissenschaftler kennt sein System, er hat zumindest eine Vermutung, an welcher Schraube er drehen muss.

Bei Menschen und Unternehmen ist das viel schwieriger. Wie man in so einem System auf Anhieb und mit wissenschaftlicher Präzession sagen kann, man muss 12000 Menschen abbauen, dann wird es besser???

Es scheint wohl eher so zu sein, dass in der Excel Tabelle die Kosten zu hoch sind und man die Zelle der Mitarbeiter soweit reduziert, bis die Kosten wieder passen. Mathematisch genau kommen so die 12000 Menschen heraus.

Also wird mit dem Rasenmäher gekürzt. So aber geht die funktionale Struktur des Systems verloren. Teilbereiche werden handlungsunfähig. Man verliert Mitarbeiter und Struktur. Beides ist aber wesentlich für den Erfolg eines Unternehmens.

Ziel von Führung ist es, ein Unternehmen dahin zu bringen, wo die Chancen sind. Manchmal ist es ein weiter Weg zu diesen Chancen und er ist steinig und schwer. Diesen Weg gehen wir aber nicht mehr, da wir uns derjenigen entledigen, die uns dahin bringen könnten.

Wenn sie die Finanzen eines Fussballvereines wieder in Ordnung bringen müssen, gehen sie dann mit 8 Spielern in die Saison?

Oder:

Wenn Sie in der Familie finanzielle Schwierigkeiten haben, verkaufen sie dann ihre Kinder?

Und leasen sich billigere Kinder? Oder noch besser: Sie verkaufen Ihre Kinder und leasen sie dann zurück?

Eine Firma ist auch die moderne Form der Stammesgemeinschaft. Diese Gemeinschaft verspricht Sicherheit und deshalb kämpft der einzelne für die Gemeinschaft und die Gemeinschaft für ihn.

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Die Folge war eine ständige Entwicklung in den letzten 10.000 Jahren.

Das Vertrauen ist zerstört. Manager bereichern sich, Mitarbeiter sind nicht mehr sicher und die Funktion des Systems ist an vielen Stellen nicht mehr gewährleistet. Menschen die sich wirklich auskennen findet man in  den Unternehmen nur noch wenige, und diese sind total überlastet. Jeder versteckt sich hinter Prozessen. Wer Prozesse braucht hat die falschen Mitarbeiter!

Wir haben ein Führungsproblem! Führung ist eine Eigenschaft keine Position! 

 

Dranbleiben – es gibt noch Hoffnung.